
‚Füllfederhalter’ ... dieses Wort nimmt wahr-scheinlich so gut wie keiner mehr in den Mund, es sei denn er ist Hersteller oder Verkäufer eines solchen Gerätes.
Die übliche Form für das fast ausgestorbene Wort, das einen fast ausgestorbenen Gebrauchsgegen-stand benennt, ist ‚Füller’. Verwendet wird der Füller i. d. R. nur noch von Schulkindern und (meist
älte-ren) Menschen mit Sinn für das Edle und Dauerhafte (Amazon würde formulieren: Füllfederhalter-Käufer sind auch Manu -factum-Kunden).
Dabei ist es doch so ein angenehmes Gefühl, mit einem guten Füller zu schreiben! In meiner Schreibtischschublade liegen sogar noch 1 – 2
Exemplare herum. Aber die benutze ich eigentlich nur noch zum Unterschreiben wichtiger Dokumente (z. B. Bewerbungs-unterlagen) oder für Briefe an meine Tante K. oder Glückwunschkarten. Und dann
merke ich, dass das Schreiben per Hand bereits nach einigen Zeilen die Hand bzw. das Handgelenk richtig angstrengt! An der Kasse, beim Bezahlen mit EC-Karte, wenn es schnell gehen muss, habe ich
manchmal ernsthafte Probleme, meine Unterschrift zu leisten: Entweder schmiere ich sie zu schnell hin, so dass ich mir kritisch vergleichende Blicke auf meine Signaturen gefallen lassen muss,
oder ich will es ganz ordentlich machen und schreibe meinen Namen langsam wie eine Grundschülerin.
Die deutschen Hersteller von Füllfederhaltern (wer kennt nicht noch den wichtigen Schuldisput zwischen Pelikan-, Geha- und
Lamy-Anhängern...) müssen sich einiges einfallen lassen, um bei der herrschenden Hand-Schreibfaulheit und Füllerflaute überleben zu können, selbst wenn sie sich in der Hand malaysischer
Investoren befinden (so die Firma Pelikan, die sich wiederum Geha einverleibt hat, wie der Spiegel schreibt). So habe sich Pelikan auf besonders ergonomische Schüler-Füller spezialisiert, Nobelmarken wie Montblanc
dagegen auf limitierte Luxus-Editionen („rund 50 Kilogramm Gold verarbeitet Montblanc pro Monat alleine für die Federn“, so der Spiegel). Alle Hersteller bräuchten zudem ein breit gefächertes
Zusatz-Angebot, um zu überleben: Montblanc verkauft auch „Schmuck, Lederartikel, Brillen, Parfum und Uhren“, die billigeren Marken Bürobedarf und Druckerzubehör.
Zumindest als Statussymbol und Gerät zum schreiben Lernen wird der gute alte Füller sicherlich noch einige Jahrzehnte überleben. Und ich nehme mir vor, demnächst wieder öfter meinen Füller
benutzen ... mmh, aber dann muss ich auch mehr Briefe schreiben ... oder mehr einkaufen ... oder ein kalligraphisches Hobby anfangen ...

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