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Sonntag, 3. august 2008

Ich habe eine Art ‚Tick’: Wenn mir ein junger Mensch begegnet, stelle ich mir oft vor, wie er wohl als erwachsener oder als alter Mensch aussehen wird; einen Dicken stelle ich mir dünn vor, einen Dünnen dick; jemanden, der im teuren Sportwagen vorfährt, als Hartz-IV-Empfänger, einen Obdachlosen als reichen Krösus; usw. usw. Und siehe da: Plötzlich wird einem  bewusst, dass dieselben Personen zu anderen Zeiten oder unter anderen Umständen ganz anders dastehen (können), eigentlich eine Binsenweisheit.

Besonders spannend ist es, sich auszumalen, wie alte Menschen wohl früher einmal ausgesehen haben mochten. Dann stelle ich mir vor, wie das Hutzelmännchen, dass sich geduldig auf sein Laufwägelchen stützt, einmal ein kraftvoller, ungestümer junger Mann war. In den runzligen, aber ebenmäßigen Zügen der alten Dame scheint noch ein Hauch ihrer einstigen Schönheit hindurch. Und wenn alte Menschen lächeln, sind sie plötzlich wieder jung und frisch.

Dazu fällt mir die Anekdote unserer „Hausperle“ ein, einem 86-jährigen rheinischen Original voller Energie, deren hellblauge Augen von Lebhaftigkeit und Scharfsinn sprechen. Sie erzählte mir vor einigen Wochen auf dem Flur, wie sehr es sie störe, dass sie inzwischen so dick sei (und das ist sie). Als junge Frau sei sie rank und schlank gewesen, hätte nur hochhackige Schuhe getragen und auf ihr Äußeres, besonders ihre Frisur, großen Wert gelegt. Und strahlend fügte sie (auf rheinisch) hinzu: „Stellen Sie sich vor, einmal war ich mit meiner Schwester beim Arzt, einem Professor xy. Später sagte er zu meiner Begleitung: ‚Also Ihre Schwester, die hat ja eine Wahnsinnsfigur!’.“

In solchen Momenten wird die Vergangenheit lebendig, tritt in unsere Gegenwart, auch wenn man sie nicht selbst miterlebt hat. Deswegen sind mir die Geschichten alter Menschen so wertvoll.


von Sprechakt veröffentlicht in: Gesundheit Community: Kultur-Schock
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Sonntag, 25. mai 2008


Alle, die ständig nach dem richtigen Wort suchen, brauchen sich nicht länger zu schämen. Nach den neuesten Erkenntnissen der Hirnforschung deuten Wortfindungsstörungen und Erinnerungslücken meist nicht auf beginnenden Gedächtnisschwund hin, sondern sind, im Gegenteil, Zeichen von besonderer Weisheit. Entscheidend sei die unterschiedliche Wahrnehmung: Menschen mit Wortfindungsproblemen, so die SZ-Online vom 23.5. („Betagte Köpfe denken mehr“), müssten aus einem viel größeren Informationseingang wählen und somit länger nachdenken, um daraus die passende Information herauszufiltern. Besonders häufig tritt dieses Phänomen bekanntlich bei älteren Menschen auf. Nach außen wirr erscheinend, seien sie tatsächlich kreativer und viel stärker dazu in der Lage, scheinbar sinnlose Informationen, die sie in einer Situation aufgenommen haben, in einer ganz anderen wieder hervorzuholen und auf die neuen Gegebenheiten zu transferieren.

von sprechakt veröffentlicht in: Gesundheit Community: Sprache ist Macht!
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Sonntag, 18. mai 2008

 

Als Bewohnerin einer mittelgroßen deutschen Stadt freue ich mich, dass ich fast jederzeit alles Nötige kaufen und alle Ecken der Stadt erreichen kann. Dank Fernverkehrsbahnhof fühle ich mich auch mit dem Rest der Welt verbunden. All das funktioniert, weil viele Autos, LKW und Züge von A nach B fahren. Aber es gibt hier auch viel Grün, und es gibt Wasser. Besonders jetzt im Frühling braucht man nicht weit bis zum nächsten grünen Flecken zu laufen, um auch als Städter das Gefühl zu bekommen, mit der Natur verbunden zu sein. Und wenn man die typischen Spazierwege verlässt und sich ein wenig weiter entfernt, so findet man selbst am Wochenende ein lauschiges Plätzchen fast ganz für sich allein.


Also lässt es sich in der Stadt gut leben? Ja. Wenn man nicht unmittelbar an der Bahnschranke wohnt. Das gelegentliche laute Vibrieren im Raum, besonders wenn ein Güterzug vorbeifährt, ist eigentlich noch erträglich, irgendwann hat man sich daran gewöhnt. Doch hier staut sich nicht nur alle paar Minuten der Verkehr, sondern akkumulieren sich auch Abgase, Motorgeräusche und Technobässe, steigen die Agressionen eiliger Taxifahrer und Berufspendler in die Luft. 

 

In meinem Fall ist es so, dass sich vor der Schranke auch noch eine Straßenkreuzung befindet. Ortsunkundige, die abbiegen möchten, wissen daher nicht, dass die Ampel an die Bahnschranke gekoppelt ist und sie bei geschlossener Schranke unter Umständen eine Viertelstunde oder länger vor der roten Ampel stehen müssen, obwohl sie eigentlich gar nicht die Gleise überqueren wollen (Originalzitat eines Fahrers vor einer Minute: "Nee ey, das is’ doch ‚n Witz!"). Das Schild, welches die Autofahrer darauf hinweisen soll, bei geschlossener Schranke den Motor abzustellen, befindet sich viel zu weit hinten, um registriert zu werden, und ist noch dazu im Baumschatten versteckt. Das führte bereits zu dem gut gemeinten Vorschlag eines mitfühlenden Freundes, das Schild doch einfach bei Nacht und Nebel eigenmächtig abzuschrauben und direkt vor der Ampel anzubringen.


In einer Wohnung, die nur zur Straße heraus Fenster besitzt, muss man entweder die Minuten abpassen, in denen gerade keine Diesel-LKW (gerne Montag morgens), stinkende Mopeds (gerne sehr früh, noch vor der Rush-hour) und sonstige Fahrzeuge dafür sorgen, dass die verbrauchte Raumluft durch verbrauchte Motorluft – sprich Abgase – ersetzt wird. Am besten lässt es sich sehr, sehr früh lüften oder sehr spät, wenn sich in dem engen Straßenschlauch endlich die Luft abgekühlt hat. Wenn man, wie ich, im Erdgeschoss wohnt, besteht zu später Stunde wiederum die Gefahr, dass nicht nur verbrauchte Luft aus dem Raum geschleust wird, sondern auch andere Dinge: So vor nicht allzu langer Zeit geschehen, als ich nur für einige Sekunden das Zimmer verließ. Ein Knall – fort war mein Laptop, das auf dem Schreibtisch vor dem Fenster gelegen hatte – von der Straße eigentlich nur für sehr große Menschen sichtbar. Kabeln und Netzteil waren dabei lautstark auf den Boden gefallen. „Und das sollen wir Ihnen glauben? Sie wissen, dass dafür die Versicherung nicht aufkommt. Das war nämlich kein Einbruch, sondern nur Diebstahl.“ Tja, auch nicht gerade tröstlich, in so einem Moment auch noch von der Polizei des Betrugs verdächtigt zu werden. Auch wenn ich den Verdacht sofort entkräften konnte: „Ich bin nicht versichert.“

 



Mein Leben an der Bahnschranke. Abgesehen davon fühle ich mich hier eigentlich ganz wohl.

 

Und Sonntags ist es auch mal ruhig.

von sprechakt veröffentlicht in: Gesundheit Community: Kultur-Schock
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Mittwoch, 14. mai 2008

Liebe Leser,

wie angekündigt, wird hier in Kürze ein Artikel über die Einschätzung von Augen-OPs durch Optiker erscheinen. Ich habe eine Umfrage gestartet, die in meinem kleinen Rahmen selbstverständlich nicht repräsentativ sein kann. Zu erwarten wäre ja, dass Augenoptiker allein aus ihrem Konkurrenzstatus heraus den Operationen von Kurz- und Weitsichtigkeit eher kritisch gegenüberstehen. Aber wie schätzen sie die zukünftige Entwicklung ein: 
Werden Augen-OPs eine ernstzunehmende Konkurrenz zu Brille und Kontaktlinsen darstellen oder wird ihre Bedeutung eher marginal bleiben? Was meinen Sie? Und wie, denken Sie, wird die Umfrage ausgehen?
 

von sprechakt veröffentlicht in: Gesundheit
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