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Monday, 9. june 2008 1 09 /06 /Juni /2008 22:14

 

Das zumindest behauptet der Medienpsychologe Jo Groebel vom Deutschen Digital-Institut Berlin. Mit dem von ihm zusammen mit Kollegen herausgegebenen Buch ‚Privatheit im Öffentlichen Raum’ befasst sich ein aktueller ZEIT-Campus-Artikel ("Ausziehen 2.0"). Darin geht es geht u. a. um die Frage, warum viele junge Menschen so viel Privates von sich im Internet preisgeben.



Zwei Dinge sind demnach zentral. Zum einen das heimelige Gefühl innerhalb der eigenen Community, trotz des Wissens, dass außer den "Freunden" auch andere das Privatleben mitverfolgen können. Eine große Motivation sei zum anderen aber auch die Aufmerksamkeit, die einem zuteil werde, je mehr man über sich erzähle: Eine dem Ego schmeichelnde Belohnung für den narzisstischen Menschen von heute, der „Generation Me“, fasst die ZEIT-Autorin zusammen. Diese Entwicklung spiegele sich auch in einem über die letzten Jahre messbar angestiegenen Narzissmus, etwa unter Studenten, wider, wie US-Psychologen über Jahrzehnte hinweg anhand von psychologischen Fragebögen verfolgt haben wollen.

Grundlage dieses Prozesses bilde die moderne Technik des Web 2.0, welche es auch dem Laien ermöglicht, auf einfache Weise seine Texte ins Netz zu stellen. Zudem hätten Talkshows, Reality-TV etc. in der modernen Medienlandschaft die natürliche Hemmschwelle und Sensibilität, Privates preiszugeben, zunehmend abgebaut: So werde suggeriert, sein Privatleben exhibitionistisch zu inszenieren, gehöre zur Normalität.

Das letztlich an die Öffentlichkeit gelangt, muss natürlich nicht mit der realen Person übereinstimmen: Jeder kann sich darstellen, wie er will. Fortgeschrittene Suchtechniken ermöglichten es jedoch, aus der Vielzahl an Bruchstücken und sozialen Rollen, in der sich eine Person im Internet zeigt, ein mehr oder weniger stimmiges Mosaik zusammenzusetzen: „Rollen, die man eigentlich getrennt hält, reihen sich plötzlich aneinander“, schreibt die ZEIT-Autorin.

Da rechtlich jeder im Internet selbst für seine Daten verantwortlich ist, jedoch tatsächlich kaum über das Verbleiben einmal ins Netz gesetzter Informationen verfügen kann, forderten inzwischen Datenschützer eine automatische Lebensdauer für persönliche Daten, so die ZEIT: Bei jeder neuen Eingabe solle den Nutzern ermöglicht werden, individuell festzulegen, wie lange ihre Daten im Netz verbleiben können.

von Sprechakt - veröffentlicht in: Engagement - Community: Kultur-Schock
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