Sunday, 18. may 2008
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19:11
Als Bewohnerin einer mittelgroßen deutschen Stadt freue ich mich, dass ich fast jederzeit alles Nötige kaufen und alle
Ecken der Stadt erreichen kann. Dank Fernverkehrsbahnhof fühle ich mich auch mit dem Rest der Welt verbunden. All das funktioniert, weil viele Autos, LKW und Züge von A nach B fahren. Aber
es gibt hier auch viel Grün, und es gibt Wasser. Besonders jetzt im Frühling braucht man nicht weit bis zum nächsten grünen Flecken zu laufen, um auch als Städter das Gefühl zu bekommen, mit
der Natur verbunden zu sein. Und wenn man die typischen Spazierwege verlässt und sich ein wenig weiter entfernt, so findet man selbst am Wochenende ein lauschiges Plätzchen fast ganz für
sich allein.
Also lässt es sich in der Stadt gut leben? Ja. Wenn man nicht unmittelbar an der Bahnschranke wohnt. Das gelegentliche laute Vibrieren im Raum, besonders wenn ein Güterzug vorbeifährt, ist
eigentlich noch erträglich, irgendwann hat man sich daran gewöhnt. Doch hier staut sich nicht nur alle paar Minuten der Verkehr, sondern akkumulieren sich auch Abgase, Motorgeräusche und
Technobässe, steigen die Agressionen eiliger Taxifahrer und Berufspendler in die Luft.
In meinem Fall ist es so,
dass sich vor der Schranke auch noch eine Straßenkreuzung befindet. Ortsunkundige, die abbiegen möchten, wissen daher nicht, dass die Ampel an die Bahnschranke gekoppelt ist und sie bei
geschlossener Schranke unter Umständen eine Viertelstunde oder länger vor der roten Ampel stehen müssen, obwohl sie eigentlich gar nicht die Gleise überqueren wollen (Originalzitat eines Fahrers
vor einer Minute: "Nee ey, das is’ doch ‚n Witz!"). Das Schild, welches die Autofahrer darauf hinweisen soll, bei geschlossener Schranke den Motor abzustellen, befindet sich viel zu weit hinten, um
registriert zu werden, und ist noch dazu im Baumschatten versteckt. Das führte bereits zu dem gut gemeinten Vorschlag eines mitfühlenden Freundes, das Schild doch einfach bei Nacht und
Nebel eigenmächtig abzuschrauben und direkt vor der Ampel anzubringen.
In einer Wohnung, die nur zur Straße heraus Fenster besitzt, muss man entweder die Minuten abpassen, in denen gerade keine Diesel-LKW (gerne Montag morgens), stinkende Mopeds (gerne sehr früh,
noch vor der Rush-hour) und sonstige Fahrzeuge dafür sorgen, dass die verbrauchte Raumluft durch verbrauchte Motorluft – sprich Abgase – ersetzt wird. Am besten lässt es sich sehr, sehr früh
lüften oder sehr spät, wenn sich in dem engen Straßenschlauch endlich die Luft abgekühlt hat. Wenn man, wie ich, im Erdgeschoss wohnt, besteht zu später Stunde wiederum die Gefahr, dass nicht nur
verbrauchte Luft aus dem Raum geschleust wird, sondern auch andere Dinge: So vor nicht allzu langer Zeit geschehen, als ich nur für einige Sekunden das Zimmer verließ. Ein Knall – fort war mein
Laptop, das auf dem Schreibtisch vor dem Fenster gelegen hatte – von der Straße eigentlich nur für sehr große Menschen sichtbar. Kabeln und Netzteil waren dabei lautstark auf den Boden gefallen.
„Und das sollen wir Ihnen glauben? Sie wissen, dass dafür die Versicherung nicht aufkommt. Das war nämlich kein Einbruch, sondern nur Diebstahl.“ Tja, auch nicht gerade tröstlich, in so einem
Moment auch noch von der Polizei des Betrugs verdächtigt zu werden. Auch wenn ich den Verdacht sofort entkräften konnte: „Ich bin nicht versichert.“
Mein Leben an der Bahnschranke. Abgesehen davon fühle ich mich hier eigentlich ganz wohl.
Und Sonntags ist es auch mal ruhig.
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