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Über Jahrzehnte hinweg verschimmelten sie buchstäblich auf Schreibheften und Blättern in einer alten Kellerkiste:
die zahlreichen Gedichte, die der 1975 verstorbene fränkische Pfarrer Christian Berger größtenteils in seinem Rentenalter verfasst hat. Bis eines Tages seine neugierige Enkelin, in einer ihrer zahlreichen Exkursionen im Hause der Großeltern, überraschend auf diese Hinterlassenschaft stieß, für die sich sonst niemand zu interessieren schien. Die Gedichte sind vor allem eines: fromm, und wirken aus heutiger Sicht manchmal geradezu naiv. Nichtsdestotrotz möchte ich meinem Großvater, den ich leider kaum kennengelernt habe, hiermit Ehre erweisen, indem ich ausgewählte Fundstücke aus seiner Feder hier vorstelle: allesamt gereimt, jedoch die Reinheit der Reime gelegentlich großzügig übersehend.
So ist die Welt!- sie mordet die Propheten,
Verhöhnt, verlacht die Künstler und Poeten,
Verfolgt, verjagt die Klugen und die Weisen,
Die ihr die Wahrheit sagen und die Schönheit preisen.
Läßt sie im Elend darben und verderben,
In tiefer Not und bittrer Armut sterben;
Hört nicht auf ihren Rat und ihre Stimme,
Läuft andern nach in wildem Ungestüme.
Wenn aber später hell ihr Name strahlet,
Von ihrem Ruhm der Erdkreis widerhallet,
Wenn man sie preist als Schöpfer großer Werke,
Die überragend sind wie höchste Berge:
Dann flicht man ihnen auch schnell Lorbeerkränze,
Kennt in dem Lob nicht Maß noch Grenze,
Setzt ihnen Denkmal, feiert Jubiläen: ,
Verrückte Welt, wär’s doch schon längst geschehen!
Christian Berger
(27. Januar 1956, zu Mozarts 200. Geburtstag )
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