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Freitag, 16. mai 2008

 

Von frischgebackenen Schlossherren bis zu naturverbundenen Aussteigern

Ein Plädoyer für den Mut zum Risiko

 

Ein verfallenes Schloß in Brandenburg, ein ehemaliges Asylantenheim bei Frankfurt, ein altes Bergarbeiterhaus in den Wäldern der deutsch-tschechischen Grenze, allesamt stark sanierungsbedürftig: nicht gerade der Traum des durchschnittlichen deutschen Häuslebauers. Was bringt ganz normale Menschen dazu, sich Projekte aufzubürden, über die der Großteil der Bevölkerung nur den Kopf schütteln würde, und die ein außergewöhnliches Maß an zeitlicher und finanzieller Investition fordern?
  

Die Rede ist nicht von Investoren, die in großem Stil ihr Kapital vermehren wollen, sondern von Menschen, die sich entweder verschulden oder (zusätzlich) die anstehenden Sanierungsarbeiten mit ihren eigenen Händen verrichten müssen. Hätten sie vorher gewusst, was alles auf sie zukommen würde – nie und nimmer wären sie mit der frischen, gewiss auch naiven Energie an ihre abenteuerlichen Projekte herangegangen – vielleicht auch überhaupt nicht.


Ungeplante Zusatzkosten, marode Bausubstanzen, komplizierte Denkmalschutz-auflagen
, verschimmelte Wände, ungeahnte Schrottaufkommen in weitläufigen Kellerhallen, ein Sturmschaden, der ein großes Loch in das frisch gedeckte Ziegeldach reißt, Funklöcher, die die Kommunikation in der Abgeschiedenheit der Wälder zusätzlich erschweren: Groß muss der Idealismus sein, um solche Unanehmlichkeiten in Kauf zu nehmen. Weit, sehr weit, muß der Blick reichen, um einen langfristigen Erfolg darin sehen zu können, wo über Monate und Jahre zunächst nur Geld und Schutt bewegt werden.

 


Oder ist es gar nicht das mehr oder weniger klar umrissene Ziel, das die Käufer wirklich bewegt
, sondern der Wunsch, der Reiz, aus einer desolaten Bruchbude ein Kleinod zu machen, schalten und walten zu können als sein eigener Herr? Sich in unendlich viel Platz frei zu bewegen, ohne unfreiwillig Zeuge des Privatlebens laut telefonierender Nachbarn hinterm Gartenzaun werden zu müssen? Kurz: Der Pioniergeist, der Freiheitswille, der Reiz der Herausforderung? Davon könnten wir in Deutschland ruhig etwas mehr gebrauchen. Stattdessen betrachtet man Menschen, die dieses auszeichnet, oder zumindest ihre Ideen, als irgendwie schräg. Verrückt, größenwahnsinnig, eigenbrödlerisch, naiv oder geradezu dumm – solche Attribute werden ihnen, mehr oder weniger deutlich formuliert, zugeschrieben. Stecken sie doch ihr Geld in Projekte, deren Ertrag kaum berechenbar ist.

Und was tut der ‚Normalbürger’? Der legt seine Hoffnungen in vielversprechende Telekom- oder Air-Berlin-Volksaktien, steckt sein Geld in Jahreswagen und Handys und investiert in die neuesten Modetrends.

 


Die Personen, um die es geht, sind sämtlich der Autorin bekannt oder mit ihr verwandt. So sehr befürchten sie den skeptischen Blick der Öffentlichkeit, dass sie ausdrücklich darum baten, nicht mit Namen und Ort benannt zu werden.  

 

von sprechakt veröffentlicht in: Engagement Community: Kultur-Schock
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Kommentare

Das gilt auch für das Eigentum, was sich "Mieter" in der Stadt schaffen dürfen. Die Eigentumswohnung, die aufgrund der Tatsache, dass selten die Folgekosten bekannt sind, hat der Mieter, wenn er die Finanzierung überhaupt leisten kann, selten länger, als bis zur nächsten Sanierungsmaßnahme am Haus. Dann ist sein Kreditrahmen gesprengt und er muss, oft auch mit Verlust, verkaufen.

So hat der Gesetzgeber den Boden dafür geschaffen, dass aus dem ZUHAUSE der Bürger spekulationsobjekte wurden und die Mieten sprunghaft steigen.
Kommentarnr.: 1 Gepostet von: madame federkiel (Website) am: 16.05.2008 12:25:16
ich finde ihre analyse dieser außergewoehnlichen
immobilienbesitzer sehr treffend. ich bin selbst
mit einem mann verheiratet, dessen pioniergeist, freiheitswille und reiz der herausforderung nicht zu bremsen ist.er will mit 75 jahren noch einen klettersteig in indonesien bauen. seine 2 flugkoffer sind nicht mit kleidern gefüllt, nein nur mit bohrmaschine und schweren seilen und schrauben.
ffür die ehefrauen sind solche männer schwer zu
handhaben. man kann sie nur laufen lassen und hoffen, dass sie sich nicht übernehmen, kräftemäßig und finanziell.
bei diesaen außergewöhnlichen unternehmungen weiß
man nie, wie es ausgeht. diesen reiz lieben sie.
wir sind stolz auf unsere abenteurer, aber sie
kosten uns auch schlaflose nächte.
bitte berichten sie weiter über den verlauf,es ist spannend.
Kommentarnr.: 2 Gepostet von: bewe am: 16.05.2008 22:09:36

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