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Von frischgebackenen Schlossherren bis zu
naturverbundenen Aussteigern
Ein Plädoyer für den Mut zum Risiko
Ein verfallenes Schloß in Brandenburg, ein ehemaliges Asylantenheim bei
Frankfurt, ein altes Bergarbeiterhaus in den Wäldern der deutsch-tschechischen Grenze, allesamt stark sanierungsbedürftig: nicht gerade der Traum des durchschnittlichen deutschen Häuslebauers.
Was bringt ganz normale Menschen dazu, sich Projekte aufzubürden, über die der Großteil der Bevölkerung nur den Kopf schütteln würde, und die ein außergewöhnliches Maß an zeitlicher und
finanzieller Investition fordern?
Die Rede ist nicht von Investoren, die in großem Stil ihr Kapital vermehren wollen, sondern von Menschen, die sich entweder verschulden oder (zusätzlich) die anstehenden Sanierungsarbeiten mit ihren eigenen Händen verrichten müssen. Hätten sie vorher gewusst, was alles auf sie zukommen würde – nie und nimmer wären sie mit der frischen, gewiss auch naiven Energie an ihre abenteuerlichen Projekte herangegangen – vielleicht auch überhaupt nicht.
Ungeplante Zusatzkosten, marode Bausubstanzen, komplizierte Denkmalschutz-auflagen, verschimmelte
Wände, ungeahnte Schrottaufkommen in weitläufigen Kellerhallen, ein Sturmschaden, der ein großes Loch in das frisch gedeckte Ziegeldach reißt, Funklöcher, die die Kommunikation in der
Abgeschiedenheit der Wälder zusätzlich erschweren: Groß muss der Idealismus sein, um solche Unanehmlichkeiten in Kauf zu nehmen. Weit, sehr weit, muß der Blick reichen, um einen langfristigen
Erfolg darin sehen zu können, wo über Monate und Jahre zunächst nur Geld und Schutt bewegt werden.
Oder ist es gar nicht das mehr oder weniger klar umrissene Ziel, das die Käufer wirklich bewegt, sondern der Wunsch, der Reiz, aus einer desolaten Bruchbude ein Kleinod zu machen, schalten und walten zu können als sein eigener Herr? Sich in unendlich viel Platz frei
zu bewegen, ohne unfreiwillig Zeuge des Privatlebens laut telefonierender Nachbarn hinterm Gartenzaun werden zu müssen? Kurz: Der Pioniergeist, der Freiheitswille, der Reiz der Herausforderung?
Davon könnten wir in Deutschland ruhig etwas mehr gebrauchen. Stattdessen betrachtet man Menschen, die dieses auszeichnet, oder zumindest ihre Ideen, als irgendwie schräg. Verrückt,
größenwahnsinnig, eigenbrödlerisch, naiv oder geradezu dumm – solche Attribute werden ihnen, mehr oder weniger deutlich formuliert, zugeschrieben. Stecken sie doch ihr Geld in Projekte, deren
Ertrag kaum berechenbar ist.
Und was tut der ‚Normalbürger’? Der legt seine Hoffnungen in vielversprechende Telekom- oder Air-Berlin-Volksaktien, steckt sein Geld in Jahreswagen und Handys und investiert in
die neuesten Modetrends.
Die Personen, um die es geht, sind sämtlich der Autorin bekannt oder mit ihr verwandt. So sehr befürchten sie den skeptischen Blick der Öffentlichkeit, dass
sie ausdrücklich darum baten, nicht mit Namen und Ort benannt zu werden.